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    Diabetes mellitus

Was ist Diabetes mellitus?

Diabetes mellitus ist eine Erkrankung, die durch einen relativen oder absoluten Mangel an Insulin entsteht. Insulin ist notwendig, um die aus dem Darm resorbierten Zucker (Energie) in die Zellen zu transportieren. Ohne Insulin erhalten die Zellen keine Energie und ohne Energie können sie nicht arbeiten. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse produziert. In der Humanmedizin werden zwei Typen des Diabetes mellitus unterschieden:

  1. Insulin-abhängiger Diabetes mellitus (Typ I Diabetes, „Jugenddiabetes“)

Menschen mit Typ I Diabetes haben kein eigenes Insulin und benötigen Insulin-Injektionen zum Überleben. Gleiches gilt für Hund und Katze. Fast alle Hunde mit Diabetes mellitus haben einen Insulin-abhängigen Diabetes. Bei den Katzen sind es etwa 60%.

  1. Insulin-unabhängiger Diabetes mellitus (Typ II Diabetes, „Altersdiabetes“)

Bei dieser Diabetes Form kann die Bauchspeicheldrüse noch Insulin produzieren. Die Produktion ist aber entweder zu gering um alle Zellen des Körpers mit Insulin zu versorgen oder ein Faktor ist vorhanden, der der Insulin-Wirkung entgegensteht. Solche Faktoren sind zum Beispiel Übergewicht, andere Erkrankungen oder Medikamente. 40% der Katzen haben einen Insulin-unabhängigen Diabetes. Beim Hund kommt diese Form praktisch nicht vor. Obwohl viele Menschen allein mit Diät, Gewichtsverlust, Bewegung und oralen Antidiabetika gut zurecht kommen, sind beim Tier in der Regel trotzdem Insulin-Injektionen notwendig bzw. sinnvoll.

 Was sind die Symptome?

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die eigentliche Diagnose „Diabetes mellitus“ ist in der Regel schnell gestellt. Eine Blut- und eine Harnuntersuchung reichen hierfür meist aus. Der Diabetes mellitus geht jedoch häufig mit ursächlichen oder Folge-Problemen einher wie zum Beispiel Harnwegsinfektionen und Irritationen der Bauchspeicheldrüse. Da der diabetische Patient zudem häufig schon älter ist, ist eine Abklärung eventuell zusätzlich vorliegender Erkrankungen, die die Diabetes-Einstellung erschweren oder unmöglich machen, sinnvoll. Weitere Blutuntersuchen, Röntgen von Brustkorb und Bauch sowie ein Ultraschall der Bauchorgane wird daher bei jedem Diabetes-Patienten angeraten.

Wie wird der Diabetes mellitus behandelt?

Standpfeiler der Therapie ist das Insulin. Es wird unter die Haut gespritzt. Die meisten Besitzer wie auch ihre Hunde und Katzen lernen schnell damit umzugehen, so dass in der Regel einem fröhlichen Hunde- oder Katzenleben nichts im Wege steht. Komplikationen wie sie beim Menschen gesehen werden (Atherosklerose, Coronarerkrankungen, Nephropathie) kommen bei Hund und Katze selten vor. Sie benötigen Dekaden um sich zu entwickeln.

Kein Insulintyp und keine Dosierung kann standardisiert eingesetzt werden. Die Diabetes-Einstellung ist deshalb gerade in der ersten Zeit ein fließender und variabler Prozess bis das richtige Insulin und die richtige Dosis für das individuelle Tier gefunden ist. Die Insulin-Gabe wird in der Regel von einer speziellen Diät begleitet, dies ist aber keine zwingende Vorraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung

Ist eine Heilung möglich?

Ein Verschwinden des Diabetes mellitus beim Hund ist sehr selten. Lediglich in zwei Situationen ist dies prinzipiell möglich: wenn der Diabetes mellitus in Verbindung mit einer Trächtigkeit/Scheinträchtigkeit oder einem Cushing Syndrom auftritt. Bei Katzen ist die „Heilungsrate“ etwas höher. Bei 10-40% können die Symptome innerhalb von 12 Monaten nach Diagnosestellung abklingen. Eine Garantie oder prognostische Faktoren gibt es hierfür nicht. Die Behandlung mit Insulin ist in allen Fällen indiziert.

Insulininjektion bei einer Hauskatze durch den Tierhalter

Kann eine Behandlung mit Tabletten statt mit Injektionen erfolgen?

Insulin steht für Hunde und Katzen nur als Injektionspräparat zur Verfügung. Orale Antidiabetika enthalten kein Insulin, sie reduzieren lediglich die Zuckeraufnahme aus dem Darm, reaktivieren Insulinreserven oder steigern die Sensitivität gegenüber körpereigenem Insulin. Beim Hund sollten orale Medikamente nicht eingesetzt werden. Hunde reagieren auf eine alleinige Gabe von oralen Antidiabetika so gut wie nie. Die Gefahr einer schweren diabetischen Krise ist groß. Ein geringer Anteil der Katzen spricht auf orale Antidiabetika an. Dabei sind die einzigen momentan als sinnvoll einzustufenden Präparate das Glipizid sowie das Glyburid. Trotz der Möglichkeit, dass Katzen auf diese Medikamente positiv reagieren, wird generell zu einer Behandlung mit Insulin geraten. Die oralen Präparate stehen im Verdacht bei der Katze die letzten Insulin-Reserven zu erschöpfen. Zudem sieht es so aus, als würden Katzen, die frühzeitig mit Insulin behandelt wurden, eher die Chance haben, einen klinisch relevanten Diabetes wieder los zu werden. Orale Antidiabetika kommen in der Regel nur dann zum Einsatz, wenn eine Injektionsbehandlung der Katze absolut nicht möglich ist und sie deswegen eingeschläfert werden würde oder wenn eine diabetische Katze nur extrem geringe Mengen an Insulin benötigt, so dass eine optimale Dosierung sehr schwierig wird.

Was ist, wenn die Symptome unter der Therapie nicht verschwinden?

Bleiben die typischen Symptome trotz Therapie bestehen, gibt es viele mögliche Gründe hierfür. Der häufigste Grund sind Fehler bei der Insulingabe und Insulinunterdosierung.

Die häufigsten Fehler bei der Insulin-Gabe:

Weitere Faktoren, die eine unzureichende Diabetes-Einstellung bedingen können, sind im Folgenden aufgelistet:

Welche Komplikationen können auftreten ?

1. Bewußtseinsverlust/Krämpfe

Bewusstseinsverlust und/oder Krämpfe können ein Hinweis auf eine Unterzuckerung sein. Stellen Sie sicher, dass ihr Tier sich nicht an Tischkanten oder ähnlichem verletzen kann. Reiben Sie in Wasser aufgelösten Traubenzucker oder Honig unter die Lefzen. Greifen Sie dabei aber nicht direkt in das Maul (Verletzungsgefahr). Kontaktieren Sie einen Tierarzt.

2. Katarakt

Leider entwickeln viele Hunde mit Diabetes mellitus eine Linsentrübung (grauer Star).
Blinde Hunde sind oft stark eingeschränkt und kommen nur in der ihnen vertrauten Umgebung gut zurecht.
Es gibt jedoch die Möglichkeit einer Operation, die den Hunden das Sehvermögen wieder bringt..

3. Erbrechen, Appetitlosigkeit

Dies kann ein Anzeichen für eine so genannte diabetogene Krise sein. Bitte zögern Sie nicht, einen Tierarzt zu kontaktieren. Es ist besser, Sie bringen Ihren Hund oder Ihre Katze einmal zu häufig zum Tierarzt als möglicherweise schwerwiegende Komplikationen zu ignorieren.